Nachname:
Tschirtner
Vorname:
Oswald
Epoche:
20. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Kunst
Geburtsort:
Perchtoldsdorf (CHE)
* 24.05.1920
† 20.05.2007
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Österreichischer Künstler und Anstaltsinsasse.

 

Oswald Tschirtner (1920-2007) wurde 1920 in Perchtoldsdorf (Niederösterreich) geboren. Er absolvierte sein Abitur an einem erzbischöflichen Internat und wollte Priester werden, erhielt jedoch keinen Zugang zum Theologiestudium. Nach dem zweiten Weltkrieg, den er u. a. als Funker in Stalingrad überlebte, wurde Tschirtner 1946 aus französischer Gefangenschaft wieder in die Heimat entlassen. Er litt offenbar an den Folgen des Krieges mit posttraumatischen Angstzuständen, Schlafstörungen, Schuld- und Ohnmachtsgefühlen. 1947 wurde er mit der Diagnose „Schizophrenie“ in die psychiatrische Universitätsklinik Wien eingewiesen und blieb fortan in stationärer psychiatrischer Behandlung. Er schien Zuflucht in seinem Glauben zu finden und betete viel. Seine Verwandten besuchten ihn häufig.

 

1954 wurde Oswald Tschirtner in die Landesheil- und Pflegeanstalt Maria Gugging-Klosterneuburg verlegt. Im Kontakt mit dem dort ab 1956 arbeitenden Psychiater und Kunstwissenschaftler Leo Navratil begann er in den sechziger Jahren zu zeichnen. Er zog sich häufig zurück und musste zum Zeichnen stets neu motiviert werden. Ab 1981 lebte er im Zentrum für Kunst- und Psychotherapie, einer therapeutischen Wohngruppe, die 1986 in „Haus der Künstler“ umbenannt wurde. Dort entwickelte er einen eigenen und von anderen Künstlern unbeeinflussten Stil (Navratil 1985, S. 252 ff.). Mit feinen Linien schuf er Konturen und Silhouetten, die etwa an kniende „Kopffüßler“ erinnerten oder ganze Landschaften darstellten. Seine minimalistischen Zeichnungen wurden von der Kunstkritik und in der Öffentlichkeit weithin anerkannt. Tschirtner nahm an sämtlichen Ausstellungen der Gugginger Künstler teil. 2007 starb er im Alter von 87 Jahren im Haus der Künstler.

 

Literatur

Büttler, H. (1982): Zur Besserung der Person. Mit Johann Hauser, Ernst Herbeck, Edmund Mach, Oswald Tschirtner, August Walla. Film, Fotos, Zeichnungen, Prosa, Gedichte. Gümlingen: Zytglogge.

Feilacher, J., O. Tschirtner (1997): Menschen mit Heiligenschein. Köln: Wienand.

Herbeck, E., O. Tschirtner, L. Navratil (Hg.) (1979): Bebende Herzen im Leibe der Hunde. München: Rogner & Bernhard.

Kraft, H. (1986): Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie. Köln: DuMont.

Navratil, L. (1983): Die Künstler aus Gugging. Wien: Medusa.

Navratil, L. (1985): Schizophrenie und Dichtkunst. München: dtv.

Navratil, L. (1987): Drei Künstler aus Gugging. Franz Kernbeis, Philipp Schöpke, Oswald Tschirtner. Düsseldorf: Galerie Heike Curtze.

Tschirtner, O., D. Ronte, (1980): Museum des 20. Jahrhunderts. Wien: Museum Moderner Kunst.

Tschirtner, O., J. Feilacher (1997): Das rote Zebra. Köln: Wienand.

 

Robin Pape

Zitierweise
Robin Pape (2015): Tschirtner, Oswald.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/146-tschirtner-oswald
(Stand vom:11.12.2018)