Walla, August Alois
Nachname:
Walla
Vorname:
August Alois
Epoche:
20. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Kunst
Geburtsort:
Klosterneuburg (AUT)
* 22.06.1936
† 07.07.2001
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Österreichischer Künstler und Anstaltsinsasse.

 

August Walla (1936-2001) wurde in Klosterneuburg bei Wien (Niederösterreich) geboren. Er wuchs bei seiner Mutter auf, die ihn als Mädchen erzog, weil sie glaubte, auf diese Weise seinen Kriegseinsatz verhindern zu können. Bereits als Jugendlicher fiel er in Klosterneuburg auf. Er beschriftete und bemalte Papier, aber auch Bäume und Parkbänke, mit Zeichen und Worten. 1955 wurde der Neunzehnjährige entmündigt. Er behielt sein Zimmer bei der Mutter, wurde jedoch wiederholt in der nahegelegenen Landesheil- und Pflegeanstalt Maria Gugging behandelt. Seine Krankengeschichte enthält wechselnde Diagnosen, etwa „Schizophrenie“, aber auch „Debilität“.

 

In der Klinik wurde 1970 der Psychiater Leo Navratil auf ihn aufmerksam. Navratil förderte sein künstlerisches Talent, organisierte Ausstellungen und machte Walla und andere künstlerisch aktive Insassen wie Oswald Tschirtner, Ernst Herbeck und Johann Hauser öffentlich bekannt. Der Durchbruch gelang der Gruppe 1981, als in Gugging das ehemalige Gugginger Infektionshaus zum Zentrum für Kunst- und Psychotherapie mit Wohn- und Arbeitsräumen für 18 Patienten umgebaut wurde. Charakteristisch für Wallas bildnerisches Werk sind plakative Figuren mit satten Farben und starken Konturen samt Symbolen und Beschriftungen aus einer polytheistischen Mythologie. Ab 1983 konnte seine alternde Mutter sich nicht mehr selbst um ihn kümmern und Walla zog in das später zum „Haus der Künstler“ umbenannte Zentrum ein. Dort lebte er bis zu seinem Tod an Bauspeicheldrüsenkrebs im Jahr 2001. Walla gilt als einer der vielseitigsten und wichtigsten Künstler der Outsider Art.

 

Literatur

Navratil, L. (1965): Schizophrenie und Kunst. München: Deutscher Taschenbuch.

Walla, A., L. Navratil (1988): August Walla. Sein Leben und seine Kunst. Nördlingen: Greno.

Navratil, L. (2000): Gespräche mit Schizophrenen. Die Gugginger Künstler Ernst Herbeck, August Walla, Oswald Tschirtner und andere. Neumünster: Paranus.

Pfaffel, V. (2006): August Walla und Klosterneuburg. In: Stadtgemeinde Klosterneuburg (Hg.): Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Klosterneuburg. Klosterneuburg: Stadtgemeinde.

Feilacher, J. (2006): Gugging. Ein Ort der Kunst. München: Brandstätter.

Feilacher, J. (2006): August Walla. In: Psychiatrie & Psychotherapie 2, (1), S. 146-150.

Feilacher, J. (2012): August Walla. Weltallendeland. Katalog zur Ausstellung. St. Pölten: Residenz.

 

Ausstellungen

August Walla: Weltenwandler – die Kunst der Outsider. Schirn Kunsthalle Frankfurt. 24. September 2010 - 9. Januar 2001.

August Walla: august walla.! weltallende. Museum Gugging. 29. März 2012 – 28. Oktober 2012.

 

Robin Pape

 

Foto: Ulrichulrich / Quelle: Wikimedia / Lizenz: CC BY-SA 3.0

 

Zitierweise
Robin Pape (2015): Walla, August Alois.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/147-walla-august-alois
(Stand vom:11.12.2018)