Bion, Wilfred Ruprecht
Nachname:
Bion
Vorname:
Wilfred Ruprecht
Epoche:
20. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Psychoanalyse
Psychotherapie
Geburtsort:
Mudra (IND)
* 08.09.1897
† 08.11.1979
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Theoretiker der Psychoanalyse, Mitbegründer der Gruppenanalyse.

 

Wilfred Ruprecht Bion (1897-1979), geboren als Sohn eines britischen Kolonialbeamten im nordindischen Mathura, nahm ab 1916 in der britischen Armee am ersten Weltkrieg teil. Er studierte Geschichte in Oxford und Medizin in London, arbeitete während des zweiten Weltkrieges als Stabsarzt der britischen Armee am Northfied Military Hospital, entwickelte dort einen Einstellungstest für Offiziere und betreute kriegstraumatisierte Soldaten in einem minimal strukturierten Gruppensetting („Northfield Experiment”). 1934 behandelte er als Psychotherapeut an der Tavistock-Klinik in London den Dichter Samuel Beckett und wurde dort ab 1952 Chefarzt. Nach einer Zeit als Präsident der British Psycho-Analytical Society (1962-1965) folgten Professuren für Psychotherapie in San Francisco (1968) und in São Paulo (1977).

 

Bions Beiträge zur Psychoanalyse und Gruppenanalyse sind für die Behandlung von psychosenahen Störungen von weitreichender Bedeutung. Er nahm an, dass der Aufbau von Strukturen in Gruppen (Gruppenkohäsion, Regelung der Ich-Grenzen in Gruppen) eine Reduzierung der Gruppenspannung verursacht (Bion 1961). Weiter beschreibt er das Erfahrungslernen als Schwerpunkt von wirksamen Therapien (Bion 1962). Das von ihm entwickelte „Containment Modell“ dient der formalisierten Darstellung intrapsychischer Prozesse. Es wird bis heute als Bezugsrahmen für den haltenden, supportiven Aspekt der therapeutischen Beziehung genutzt. Sein Werk entstand unter dem maßgeblichen Einfluss McDougalls, Le Bons und Freuds. Bion verfasste zwei autobiographische Rückblicke auf sein Leben und Werk (The Long Weekend, 1982; All My Sins Remembered, 1985).

 

Literatur

Anzieu, D. (1989): Beckett and Bion. In: International Review of Psycho-Analysis, 16, (2), S. 163-170.

Bion, W. R. (1961): Experiences in groups and other papers. London: Tavistok

Bion, W. R. (1962): Learning from experience. London: Heinemann.

Bion, W. R. (1982): The Long Weekend. London: Karnac Books.

Bion, W. R. (1985): All My Sins Remembered. Another Part of Life and the Other Side of Genius.   

    Abingdon: Fleetwood.

Karnac, H. (2008): Bion’s Legacy. Bibliography of Primary and Secondary Sources of the Life, Work

    and Ideas of Wilfred Ruprecht Bion. London: Karnac Books.

Mills, J.A., Harrison, T. (2007): John Rickman, Wilfred Ruprecht Bion, and the origins of the    

    therapeutic community. In: History of Psychology 10, (1), S. 22-43.

Symington, J., N. Symington (1996): The Clinical Thinking of Wilfred Bion. London, New York:

    Routledge.

 

Robin Pape    

 

Foto: Unbekannt, Kaesar / Quelle: Wikimedia / gemeinfrei [public domain].      

                                                                                                

Zitierweise
Robin Pape (2015): Bion, Wilfred Ruprecht.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/19-bion-wilfred-ruprecht
(Stand vom:17.11.2018)