Nachname:
Frydman
Vorname:
Louis
Epoche:
20. Jahrhundert
21. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Soziale Arbeit
Politik
Geburtsort:
Lodz (POL)
* 01.07.1930
† 24.01.2012
Biographie drucken

Polnisch-amerikanischer Sozialarbeiter.

 

Louis Frydman (1930-2012) wurde als jüngster Sohn von Ryvka Ekerman und Chaim Majer Frydman in Lodz (Polen) geboren. Sein Vater arbeitete als Buchhalter, Frydman verbrachte zwei Jahre in einer hebräischen Schule (Frydman & Batson 2000). 1940 erzwang die SS in Lodz ein jüdisches Ghetto. Als einzige der Familie überlebten Frydman und sein älterer Bruder Abraham, u. a. in den Konzentrationslagern Majdanek und Dachau. Nach der Befreiung in München 1945 wurden er und sein Bruder als Waisenkinder im UNRRA-Kinderlager in Aglasterhausen bei Heidelberg untergebracht und betreut. Dort wurden sie durch gruppenbezogene und familiensystemische Methoden auf die Emigration vorbereitet und konnten in die USA emigrieren (Lorenz 1995, S. 107 ff.).

 

Ausbildung und klinische Sozialarbeit

Frydmann absolvierte bis 1954 ein Studium der Soziologie am City College of New York mit Auszeichnung. Im gleichen Jahr heiratete er Jane Brunner, das Paar hatte drei Söhne. Er erhielt ein Stipendium des Cincinnati Jewish Family Service Bureau und schloss 1956 die New York School of Social Work (Columbia University) mit dem Master of Social Work ab. Frydman spezialisierte sich auf die klinische Sozialarbeit an der Mental Health Clinic of the Westchester Community Services in White Plains (New York). An der Yeshiva University (New York City) promovierte er 1968 in  Entwicklungspsychologie und wurde 1969 Associate Professor an der School of Social Welfare der University of Kansas in Lawrence im Gebiet Human Behavior and the Social Environment.

 

Menschenrechtsarbeit

In den Folgejahren setzte Frydman sich für den Schutz von Menschenrechten und gegen Rassismus ein, sprach auf Veranstaltungen von Holocaust-Überlebenden und engagierte sich für die Reform der psychiatrischen Versorgung und insbesondere der gesetzlichen Grundlagen von Zwangseinweisungen in Kansas (Kansas Mental Health Code, 1976). Unterstützt durch ein Fulbright-Stipendium untersuchte er in den siebziger Jahren die psychiatrische Versorgung in Polen. Louis Frydman gründete Ende der siebziger Jahre in Kansas City die überregional bekannte Bürgerrechtsinitiative Advocates for Freedom in Mental Health (Lorenz 1995, S. 113; Starkman 1981, S. 35 f.). Frydman wurde im Jahr 2000 emeritiert und erlag am im Januar 2012 den Folgen von Prostatakrebs.

 

Literatur

Dabrowski, S., L. Frydman, T. Zakowska-Dabrowska (1986): Physical restraint in Polish psychiatric facilities. In: International Journal of Law and Psychiatry 8, (4), S. 369-382.

Frese III, F., K. J. Myrick (2010): On consumer advocacy and the diagnosis of mental disorders. In: Professional Psychology: Research and Practice 41, (6), S. 495-501.

Frydman, L., J. Batson (2000): An Interview with Louis L. Frydman, 31. August 2000. Oral History Project. The Endacott Society, University of Kansas. URL: http://www.kuonlinedirectory.org/endacott/data/OralHistoryTranscripts/FrydmanLouis.pdf

Frydman, L. (1983): Psychiatric hospitalization in Poland. In: Social Science & Medicine 17, (10), S. 617-623.

Lorenz, W. (1995): Louis Frydmann. Ein Sinn für das Paradoxe… . In: J. Wieler, S. Zeller (Hg.): Emigrierte Sozialarbeit. Portraits vertriebener SozialarbeiterInnen. Freiburg: Lambertus, S. 107-116.

Marks, R. A., L. Frydman (1973): Rights of the Committed. In: Social Work 18, (6), S. 97-99.

Starkman, M. (1981): The Movement. In: B. A. LeFrançois, R. Menzies, G. Reaume: Mad Matters. A Critical Reader in Canadian Mad Studies. Forewod by Peter Beresford. Toronto: Canadian Scholar’s 2014, S. 27-37.

 

Robin Pape, Burkhart Brückner

 

Zitierweise
Robin Pape, Burkhart Brückner (2015): Frydman, Louis L..
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/201-frydman-louis-l
(Stand vom:11.12.2018)