Johanna von Kastilien
Nachname:
Johanna von Kastilien
Vorname:
(Juana I.)
Epoche:
vor 1700
Arbeitsgebiet:
Sonstige
Geburtsort:
Tordesillas (ESP)
* 06.11.1479
† 12.04.1555
Biographie drucken

(Juana I.; Juana la Beltraneja; Johanna die Wahnsinnige) Spanische Königin.

 

Johanna von Kastilien (1479-1555) wurde in Tordesillas als drittes Kind der spanisch-katholischen Könige Isabella und Fernando geboren. Für das Bündnis mit der Habsburger Dynastie heiratete sie 1496 Philipp den Schönen, aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Ab 1497 verstarben ihre Geschwister und ihr Neffe Miguel, wodurch sie im Jahr 1500 das Erbrecht für den Thron erhielt. Zwischen 1504 und 1506 starben ihre Mutter und ihr Ehemann. 1507 hatte Johanna Johanna von Kastilien die Regierungsgewalt an ihren Vater übertragen, der 1508 versuchte, sie mit Heinrich VII. von England zu verheiraten und sie in das Kastell von Tordesillas umsiedeln wollte. Als sie sich weigerte, trennte Fernando sie von ihrem Sohn und nahm sie gefangen.

 

Zwischen 1509 und 1516 war Johanna von Kastilien in Tordesillas eingesperrt. Als ihr Vater starb, versuchte sie durch einen Aufstand im April 1521 an die Macht zu gelangen, scheiterte aber und wurde erneut gefangen genommen. Überliefert sind Berichte über verschiedene psychische Zusammenbrüche, was ihr den Beinamen „die Wahnsinnige“ (Juana la loca) einbrachte. Aber die Frage, ob und inwiefern sie „wahnsinnig“ war, kann retrospektiv kaum geklärt werden (Koch-Kanz & Pusch 1992, S. 37 f.). Johanna starb 1555 im Alter von 75 Jahren im Gefängnis von Tordesillas. Ihr Leichnam wurde in der königlichen Kapelle des Doms von Granada beigesetzt.

 

Literatur

Belli, G. (2005): Das Manuskript der Verführung. Wuppertal: Hammer.

Brouwer, J. (2004): Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin. Kreuzlingen: Hugendubel.

Fernández Álvarez, M. (2008): Johanna die Wahnsinnige. 1497-1555. Königin und Gefangene. München: Beck.

Fernández Álvarez, M. (2011): Juana I. In: Real Academia de la Historia (Hg.): Diccionario Biográfico Español. Bd. 28. Madrid: Real Academia de la Historia, S. 320-323.

Hermary-Vieille, C. (1994): Johanna die Wahnsinnige. Die Geschichte einer Sehnsucht. Bergisch Gladbach: Lübbe.

Koch-Kanz, S., L. F. Pusch (1992): Johanna die Wahnsinnige. In: S. Duda, L. F. Pusch (Hg.): WahnsinnsFrauen. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 12-44.

Leitner, T. (2007): Habsburgs goldene Bräute. Durch Mitgift zur Macht. München: Pieper.

Wassermann, J. (1915): Donna Johanna von Castilien. München: Hans von Weber.

Wurzbach, C. v. (1860): Johanna von Castilien. Gemahlin Philipp’s. Nr. 120. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Bd. 6. Wien: Zamarski, S. 288-290.

 

Robin Pape

 

Foto: Master of the Joseph (fl. circa 1470-1500) / Quelle: Wikimedia / gemeinfrei [public domain]. 

 

Zitierweise
Robin Pape (2015): Johanna von Kastilien.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/166-johanna-von-kastilien
(Stand vom:11.12.2018)