Schröder-Sonnenstern, Friedrich Emil
Grabstein, Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof, Berlin-Schöneberg
Nachname:
Schröder-Sonnenstern
Vorname:
Friedrich Emil
Epoche:
20. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Kunst
Geburtsort:
Kaukehmen (RUS)
* 11.09.1892
† 10.05.1982
Biographie drucken

Deutscher Maler, Berliner Original und Anstaltsinsasse.

 

Friedrich Schröder-Sonnenstern (1892-1982) wurde als Friedrich Schröder in Kaukehmen bei Tilsit (Ostpreußen) als Sohn eines Postangestellten geboren. Als zweites von dreizehn Kindern lernte er früh, sich durchzusetzen, wurde aber bald zum Außenseiter. Mit 14 Jahren ließen ihn seine Eltern wegen „Landstreicherei“ und Diebstahl in eine Erziehungsanstalt einweisen. Nach dem Abbruch einer Meierei- und einer Gärtnerausbildung äußert er 1912 Größenideen und erhielt in der Provinzial-Irrenanstalt Allenberg die Diagnose „Dementia praecox“. Nach kurzer Kriegsteilnahme 1915 und einem weiteren Anstaltsaufenthalt 1918/19 folgte die Entmündigung. Schröder flüchtete als „Gustav Gnass“ nach Berlin, scharte im Stadtteil Schöneberg als Heiler, Wahrsager und „Sonnenkönig Eliot I.“ religiöse Anhänger um sich und verteilte Almosen, so auch Brötchen, die ihm den Spitznamen „Schrippenkönig“ einbrachten.

 

Aufstieg zum Künstler

In der Landesheilanstalt Neustadt begann er 1934 zu zeichnen, als er den Maler Hans Ralfs kennen lernte. Es folgten drei Jahre im Gefängnis in Kiel, dann Arbeit im Luftwaffendepot sowie ein Aufenthalt im Arbeitslager Himmelmoor. Ab 1942 hielt er sich in Berlin auf, begann in der Nachkriegszeit bemalte Pamphlete zu entwerfen und entwickelte seinen typischen Stil, häufig in Buntstift, mit präziser Linie, flächiger Farbe, skurrilen Figuren und Titeln wie Mondmoralische Verkehrtheit oder Schwanenpuppentanz. Kraft (2005, S. 210) bezeichnete die Spannung zwischen „Herr“ und „Knecht“ als Schröder-Sonnensterns Lebensthema und seine Produktivität als „Schutzfunktion“ gegen psychische Entgleisungen.

 

Ab 1950 gelang ihm der Durchbruch, er baute eine eigene Werkstatt auf und nahm 1959 an der großen Pariser Exposition Internationale du Surrealisme teil. Juro Kubicek, Hans Bellmer oder Friedensreich Hundertwasser unterstützten ihn. Nach dem Tod seiner Lebensgefährtin Martha Möller im Jahr 1964 wurde er alkoholabhängig und wohnungslos. Seine Bilder wurden noch bis in die siebziger Jahre hoch gehandelt, doch Skandale um von ihm signierte Produkte seiner Helfer und Fälschungen ruinierten seinen Ruf auf dem Kunstmarkt. 1969 wurde er zeitweilig in der Berliner Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik behandelt. 1973 zog er nach Berlin-Lichterfelde zu einer früheren Schülerin, wo er Ruhe fand. Er starb 1982 im Alter von 89 Jahren in Berlin. Friedrich Schröder-Sonnenstern gilt als einer der international wichtigsten Vertreter der Outsider-Art.

 

Auszeichnungen

1967: Retrospektive Kunsthalle Düsseldorf.

1973: Retrospektive Kestner Gesellschaft Hannover.

1973: Erik-Erikson-Medaille.

 

Literatur

Bader, A. (1972): Geisteskranker oder Künstler. Der Fall Friedrich Schröder-Sonnenstern. Bern: Huber.

Ferentschik, K., P. Gorsen (2013): Friedrich Schröder-Sonnenstern und sein Kosmos. Berlin: Parthas.

Gorsen, P. (1962): Friedrich Schröder-Sonnenstern. Eine Interpretation. Frankfurt am Main: Von Sydow Zirkwitz.

Gorsen, P. (1997): Friedrich Schröder-Sonnenstern, 1892-1982. Gefallen zwischen Welterlösung und gesellschaftlicher Ausgrenzung. In: I. Brugger, P. Gorsen, K. A. Schröder (Hg.): Kunst & Wahn. Wien: Dumont.

Kraft, H. (2005): Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie. Köln: Deutscher Ärzte Verlag.

Petersen, J. (1972): Die Pferdearschbetrachtung des Friedrich Schröder-Sonnenstern. München: Hanser.

Schröder-Sonnenstern, F. (1967): Farbkartons. Ausstellungskatalog 15. Dezember - 14. Januar. Düsseldorf: Städtische Kunsthalle.

Schröder-Sonnenstern, F. (1974): Mondgeistfahrt. München: Bruckmann.

Schröder-Sonnenstern, F. (1978): Zweiundzwanzig frühe Original-Farb-Zeichnungen. Berlin: Petersen-Galerie.

Schröder-Sonnenstern, F. (1981): Trostlied für Aus- und Angebombte. Wien: Freibord.

Schröder-Sonnenstern, F., I. Maeder (1987, Hg.): Galerie Maeder. Ausstellung. München: Hirmer.

Schröder-Sonnenstern, F., J. Petersen (2006, Hg.): Seelenerkennungsdienst. Berlin: Basis.

 

Robin Pape, Burkhart Brückner

 

Foto: Ottoerich / Quelle: Wikimedia / Lizenz: CC BY-SA 3.0

 

Zitierweise
Robin Pape, Burkhart Brückner (2015): Schröder-Sonnenstern, Friedrich Emil.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/136-schroeder-sonnenstern-friedrich-emil
(Stand vom:17.11.2018)