Nachname:
Klee
Vorname:
Ernst
Epoche:
20. Jahrhundert
21. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Medizingeschichte
Sonstige
Geburtsort:
Frankfurt am Main (DEU)
* 15.03.1942
† 18.05.2013
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Investigativer Journalist und Autor.

 

Ernst Klee (1942-2013) wurde in Frankfurt am Main geboren und absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Sanitär- und Heizungstechniker, bevor er das Abitur nachholte. Ein Studium der Theologie und Sozialpädagogik brach er ab und wurde Journalist.Klee produzierte unter anderen Randgruppenreportagen für den Hessischen Rundfunk und verfasste zahlreiche Artikel für Die Zeit. Er recherchierte teils verdeckt in Obdachlosen- und Behindertenheimen sowie in psychiatrischen Einrichtungen oder Strafanstalten und engagierte sich intensiv für die Behindertenrechtsbewegung. In der 1993 ausgestrahlten TV-Reportage Die Hölle von Ueckermünde dokumentierte Klee die desolaten Lebensbedingungen in zwei ostdeutschen Psychiatrien der Nachwendezeit.

 

Sein Lebensthema war die historisch-publizistische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Medizinverbrechen und Krankenmorde. Klee (1997) belegte die erhebliche Beteiligung von Medizinern an Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus sowie Verbindungen zwischen medizinischen Experimenten in Konzentrationslagern und regulären Forschungsprogrammen (Pehle 2013). Klees (2007) Kulturlexikon zum Dritten Reich wurde aufgrund sachlicher Mängel und problematischer Auswahlkriterien der Lemmata teils kritisch aufgenommen.

 

Weniger beachtet sind die Frühwerke wie etwa das 1974 erschienene und mehrfach neu aufgelegte Kinderbuch Der Zappler. 2005 wurde in Mettingen (Westfalen) eine Schule für Körperbehinderte in „Ernst-Klee-Schule“ umbenannt. Ernst Klee war mit der Pfarrerin Elke Klee verheiratet und verstarb 2013 im Alter von 71 Jahren in Frankfurt am Main an einem Krebsleiden.

 

Auszeichnungen

1971: Kurt-Magnus-Preis (ARD).

1982: Adolf-Grimme-Preis.

1997: Geschwister-Scholl-Preis.

2001: Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main.

2007: Wilhelm-Leuschner-Medaille.

 

Literatur

Klee, E. (2013): Auschwitz – Täter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon. Frankfurt am Main: S. Fischer.

Klee, E. (2007): Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S. Fischer.

Klee, E. (2003): Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S. Fischer.

Klee, E. (2001): Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S. Fischer.

Klee, E. (1997): Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer. Frankfurt am Main: S. Fischer.

Klee, E. (1995): Eine feine Gesellschaft. Soziale Wirklichkeit Deutschland. Düsseldorf: Patmos.

Klee, E. (1993): Irrsinn Ost – Irrsinn West. Psychiatrie in Deutschland. Frankfurt am Main: S. Fischer.

Klee, E. (1990): „Durch Zyankali erlöst“. Sterbehilfe und Euthanasie heute. Frankfurt am Main: S. Fischer.

Klee, E. (1983): „Euthanasie" im NS-Staat. Die „Vernichtung lebensunwerten Lebens". Frankfurt am Main: S. Fischer.

Klee, E. (1980): Behindert. Über die Enteignung von Körper und Bewusstsein. Ein kritisches Handbuch. Frankfurt am Main: S. Fischer.

Klee, E. (1978): Sozialprotokolle. Wie wir leben, wie wir sterben. Lehrstücke zum Umgang mit Menschen. Düsseldorf: Patmos.

Klee, E. (1976): Der Schrotthaufen der Menschlichkeit. Ein Lesebuch zur sozialen Wirklichkeit in der Bundesrepublik Deutschland. Reports und Reportagen. Düsseldorf: Patmos.

Klee, E. (1974): Behindertsein ist schön. Unterlagen zur Arbeit mit Behinderten. Düsseldorf: Patmos.

Klee, E. (1974): Der Zappler. Der körperbehinderte Jürgen erobert seine Umwelt. Ein großes wagemutiges Abenteuer. Düsseldorf: Schwann.

Klee, E. (1973): Knast-Reportagen. Nürnberg: Laetare.

Klee, E. (1973): Resozialisierung. Ein Handbuch zur Arbeit mit Strafgefangenen und Entlassenen. München: Claudius.

Klee, E. (1972, Hg.): Die armen Irren. Das Schicksal der seelisch Kranken. Düsseldorf: Patmos.

Klee, E. (1971): Die Nigger Europas. Zur Lage der Gastarbeiter. Eine Dokumentation. Düsseldorf: Patmos.

Klee, E. (1971): Prügelknaben der Gesellschaft. Häftlingsberichte. Düsseldorf: Patmos.

Klee, E. (1969): Wege und Holzwege. Evangelische Dichtung des 20. Jahrhunderts. Bremen: Stelten.

Pehle, W. (2013): Couragiert und unbeirrbar. Zum Tod von Ernst Klee. In: Dr. med. Mabuse 204, (Juli / August), S. 48-49.

 

Ansgar Fabri, Burkhart Brückner

 

Zitierweise
Ansgar Fabri, Burkhart Brückner (2015): Klee, Ernst.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/105-klee-ernst
(Stand vom:11.12.2018)